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Historie

Geschichtliches Erbe

Made in Kaiserslautern

Vor 150 Jahren (1862) stellte der gelernte Blechblasinstrumentenmacher Georg Michael Pfaff seine erste Nähmaschine her und gründet die Nähmaschinenfabrik „G. M. PFAFF“, damals noch in der Mozartstraße im Zentrum Kaiserslauterns. Nach nur 10 Jahren liegt die Jahresproduktion seiner Fabrik bereits bei tausend Nähmaschinen, wovon gut die Hälfte ins Ausland exportiert werden. 1882 wird die 50.000 Nähmaschine auf der Nürnberger Landesausstellung verlost. Im Jahre 1891 liegt die Jahresproduktion bereits bei 25 Tausend Nähmaschinen. Nach dem Tod des Firmengründers am 30.10.1893 übernimmt sein Sohn Georg Pfaff die Leitung. Aufgrund des enormen Wachstums findet nur wenige Jahre später die Fabrikverlegung zur Galgenschanze (heutiges Pfaff-Areal) statt. Im Juni 1910 schenkt Georg Pfaff die eine millionste und goldverzierte Nähmaschine dem Historischen Museum in Speyer. Zu dieser Zeit vermarktet PFAFF seine Nähmaschinen bereits in 64 Ländern. Der Jahresumsatz liegt bei über 5 Millionen Reichsmark. Die Nähmaschinen werden immer weiter optimiert und durch innovative Technik verbessert, so ermöglichte beispielsweise die Nähmaschine „PFAFF 130“ einen Zickzackstich und damit mehr Möglichkeiten bei der Naht.

Im Wandel der Zeit

Nach dem Tod von dem kinderlosen Georg Pfaff übernimmt seine Schwester Lina Pfaff die Gesamtleitung. Zusätzlich zu den technischen Innovationen werden soziale Projekte ins Leben gerufen und so beispielsweise zahlreiche Arbeiterwohnungen in der Pfaff-Siedlung in den Jahren der Wohnungsnot errichtet sowie das Pfaff-Bad mit Kinderkrippe gebaut. Der Sohn Karl Pfaff übernimmt das Werk. 1927 wird die zwei millionste, 1935 die drei millionste Nähmaschine gefertigt. Vom Spätsommer bis Weihnachten 1944 wird das Werk durch insgesamt vier Luftangriffe stark beschädigt. Nach dem Wiederaufbau und der Vergrößerung des Werks beginnt Pfaff 1946 mit der Herstellung von Industrienähmaschinen. Ebenso bringt Pfaff die erste tragbare Koffernähmaschine auf den Markt. 1952 stirbt Karl Pfaff unerwartet. Zehn Jahre später exportiert der Nähmaschinenhersteller seine Produkte bereits in über 100 Länder. Knapp 100 Jahre nach der  Gründung wurde die fünf millionste Nähmaschine produziert. Diese werden technisch immer anspruchsvoller und eröffnen noch mehr Vielfalt. 1973 steigt der Exportanteil des Industriemaschinenverkaufs auf 63 Prozent. In den nächsten zehn Jahren steigt der Jahresumsatz und erreicht 1985 1 Milliarde Deutsche Mark, wobei 70 % im Ausland erzielt werden und nur 30 % in Deutschland. 1993 zählt die PFAFF AG 4.223 Mitarbeiter.

Das Ende einer Ära

Ab 1996 schreibt das Unternehmen rote Zahlen, muss sogar Kurzarbeit anmelden. Kurz vor der Jahrtausendwende erlebt PFAFF einen massiven Umsatzeinbruch und muss im September 1999 die erste Insolvenz beantragen. 2001 arbeiten nur noch 1200 Mitarbeiter am Stammsitz. 2004 wird die Produktion in Kaiserslautern eingestellt, die Nähmaschinenproduktion wird nach Shanghai verlagert. Allein 200 Beschäftigte verbleiben in den Sparten Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und dem Bau von Sondermaschinen. Nach einem kurzen Aufschwung ab dem vierten Quartal 2004 muss die „Pfaff Industrie Maschinen AG“ im September 2008 erneut einen Insolvenzantrag stellen.

Zeitstrahl


2015 – heute

Flächenerwerb durch Stadt Kaiserslautern, Sanierung und Reallabor

Die Stadt Kaiserslautern erwirbt im Jahr 2015 die 16,5 Hektar große Fläche. Im Jahr darauf erfolgte der Spatenstich für die Rückbau und Sanierungsarbeiten auf dem stillgelegten Werksgelände. Zudem wird im Jahr 2018 ein städtebaulicher Rahmenplan entwickelt. Der Standort wird zum Leuchtturmprojekt EnStadt:Pfaff. Das Ziel des Reallabores ist es, am Beispiel des Pfaff-Quartiers zu demonstrieren, wie eine klimaneutrale Energieversorgung eines Quartiers bei hoher städtebaulicher Qualität erreicht werden kann. Dabei soll ein möglichst hoher Anteil des Energiebedarfs vor Ort durch erneuerbare Energie erzeugt werden. Im Rahmen des Projektes werden Technologien entwickelt und erprobt und vorhandenen Technologien optimal kombiniert und effizient eingesetzt. Bausteine des klimaneutralen Quartiers sind energieeffiziente Gebäude, die Nutzung erneuerbarer Energien, intelligente Netze, der Einsatz von Batterie- und Wärmespeichern, effiziente und intelligente Mobilitätslösungen und eine umfassende Digitalisierung. Eine digitale Quartiersplattform vernetzt alle Komponenten, ermöglicht ein intelligentes Quartiers-Energiemanagement und bietet darüber hinaus weitere Dienstleistungen in den Bereichen Energie, Mobilität, Verwaltung, soziales Leben und vieles andere mehr, die von den Bewohnern, Arbeitnehmern und Besuchern des Quartiers über Apps genutzt werden können. Das Projekt ist als Reallabor gestaltet, in dem die Entwicklungen teilweise gemeinsam mit den Investoren, Planern und Nutzern erfolgen.

Im nächsten Schritt der Entwicklung der Fläche sollen nun im Rahmen einer Konzeptvergabe Investoren für die bislang unbebauten Grundstücksteile gefunden werden.

1974 – 2014

Nachlassen der Nachfrage, wirtschaftliche Schwierigkeiten bis hin zur zweifachen Insolvenz und Aufgabe des Produktionsstandortes

Ab 1974 beginnt ein kontinuierliches Nachlassen der Nachfrage an Industrienähmaschinen. Die Einführung von Kurzarbeit und mehrfache Umstrukturierungen im Internehmen sind die unmittelbare Folge. Der Pfaff-Schuldenstand beträgt im Jahr 1999 547 Millionen DM. Circa 400 Beschäftigte werden entlassen. Die Pfaff Industriemaschinen AG meldet aufgrund massiver Umsatzeinbrüche ihre erste Insolvenz an. Es beginnt die Veräußerung und Zerteilung des Unternehmens durch den Insolvenzverwalter. Nachdem das Unternehmen daraufhin von unterschiedlichen Eigentümern geleitet wird, meldet PFAFF am 11. September 2008 die zweite Insolvenz an. Der Geschäftsbetrieb der ‘Pfaff Industriemaschinen AG’ wird fortgeführt. Der Großteil der verbliebenen Beschäftigten wechselt in eine Auffanggesellschaft. Die endgültige Aufgabe des ehemaligen Pfaff-Geländes an der Königstraße wird im Jahr 2009 eingeleitet.

1946 – 1973

Wiederaufbau, steigende Mitarbeiterzahl und neue Produktionssparten

Der Wiederaufbau fällt in die Zeit des ‘deutschen Wirtschaftswunders’. Nach Abschluss des Wiederaufbaus wird der Haupteingang in die Königstraße verlegt. 1964 wird die 8-mmillionste Nähmaschine gebaut. 1967 beschäftigt die G.M. Pfaff AG mit sämtlichen Tochtergesellschaften 9 500 Mitarbeiter. Ca. 52% der Produktion werden exportiert. In den folgenden Jahren entwickeln sich neue Produktsparten (z.B. Materialschweißanlagen oder Industrieroboter) sowie Firmenbeteiligungen, Firmenübernahmen und die Gründung verschiedener Tochter- und Vertriebsgesellschaften. Rentabilität, wirtschaftliche Nutzbarmachung und Resonanz auf neue Produkte und Erwerbszweige ist gering.

1939 – 1945

2. Weltkrieg & Zerstörung der Werksanlage

Zum zweiten Mal in der Geschichte des Unternehmens muss die Produktion auf Rüstungsgüter umgestellt werden, beispielsweise die Herstellung von Maschinengewehrschlössern, die unterhalb des Steinbruches eingeschossen werden. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene werden in der Firma eingesetzt. Die Dokumentenlage gibt folgende Zahlen preis: 369 französische Zivilarbeiter, 119 italienische, 201 polnische und 44 russische Kriegsgefangene werden zwischen 1939 und 1945 zwangsbeschäftigt. Bis Ende 1944 werden circa zwei Drittel der Werksanlagen durch alliierte Bombenangriffe zerstört. Die französischen Besatzer erlauben den Wiederaufbau. Es wird 11 Jahre dauern, bis die Vorkriegsproduktionszahlen wieder erreicht werden.

1919 – 1938

Umwandlung in Aktiengesellschaft & kontinuierlich wachsende Produktion

Am 11. Juni kündigt die “Pfälzische Presse” an: “Die Firma G. M. Pfaff, Sitz Kaiserslautern, ist erloschen”. Es erfolgt die Umwandlung der bisher einzelkaufmännisch geführten Unternehmensform in eine Aktiengesellschaft. Das Familienvermögen wird in die Gesellschaft. 1936 wird die 3-millionste Nähmaschine produziert.

1907 – 1918

Steigender Export, 1. Weltkrieg & Umstellung der Produktion

Das erste elektrisch angetriebene Pfaff-Modell kommt 1907 in den Handel. Im Jahr 1913 werden 34 Länder Europas, 22 Staaten Afrikas, 7 Länder Asiens und Australien beliefert. Russland liegt an der Exportspitze, es folgen Österreich-Ungarn, Britisch- und Niederländisch-Indien und Südafrika. Die Firma zählt 1650 Mitarbeiter. Die ersten Industrienähmaschinen werden gebaut. Während des Ersten Weltkriegs wird Pfaff gezwungen, die Produktion auf Heeresbedarf umzustellen und zur Herstellung von Kriegsgütern verpflichtet. Die waffenfähigen männlichen Mitarbeiter werden eingezogen, es bleiben überwiegend ungelernte weibliche Mitarbeiterinnen zurück. Das Werk II wird von englischen Bombern fast vollständig zerstört.

1894 - 1906

Umsiedlung auf neues PFAFF-Gelände

Es erfolgt die Umsiedlung des Unternehmens an den neuen Standort ‘Galgenberg’ am westlichen Stadtrand. Die neuen Gebäude werden mit der Jahreszahl ihrer Fertigstellung versehen, was eine exakte Zuordnung der Bauabschnitte und Entwicklungsstadien ermöglicht. Ab 1902 werden Schleiferei, Galvanik, Härterei und Stanzerei als selbständige Abteilungen eingerichtet und während der weiterlaufenden Produktion von der Mozartstraße in das neue Gelände umgesiedelt. Der Firma gelingt es, gleichzeitig in drei Werken zu produzieren: Betrieb I und II (ehemalige Fabrik König) in der Mozartstraße und Betrieb III auf dem neuen Areal in der Wittelsbacher Straße (heutige Albert-Schweitzer-Straße). Der Bau des Kesselhauses 1905 bedeutet die Energiesicherung der Firma. Der Umzug in das neue Werk ist 1906 abgeschlossen.

1863 - 1893

Wachsende Produktion und steigender Export: Erwerb des Areals des heutigen PFAFF-Quartiers

Aufgrund der stetig steigenden Produktion und des wachsenden Exports seiner Nähmaschinen erwirbt Georg Michael Pfaff 1889 ein Gelände auf dem ‘Galgenberg’ in Kaiserslautern. Der Ankauf von mehr als 100 Grundstücken und Häusern ist nachweisbar. Abtragungsarbeiten großen Stils werden vorgenommen und mit dem anfallenden Abraum wird das Gelände bis zur Königstraße verfüllt. Die Produktion in der Mozartstraße wird fortgeführt.

1862

Offizielles Gründungsjahr des Unternehmens PFAFF

Der Unternehmensgründer Georg Michael Pfaff schwenkt von seiner eigentlichen Profession, dem Instrumentenbau, allmählich um auf den Bau von Nähmaschinen. Die Erfolgsgeschichte seines in der Mozartstraße ansässigen Unternehmens beginnt. Es erfolgt die Fertigstellung der ersten Nähmaschine - eine Doppelsteppstich-Langschiffnähmaschine - und deren Vorstellung in der Öffentlichkeit (sie befindet sich heute im Deutschen Museum in München). Dieses Jahr gilt als offizielles, allerdings, ob der Datenlage umstrittenes Gründungsjahr der Firma. Der Instrumentenbau bleibt vorerst Haupterwerbszweig.

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